von Alfred Preuß Geistliches Leben

Zeitenwende – Grund zur Dankbarkeit

35 Jahre Deutsche Einheit

Die deutsche Teilung dauerte von 1949 bis 1990, mehr als 40 Jahre. Nun sind wir also schon seit 35 Jahren wiedervereint. Niemand hätte das wenige Jahre zuvor zu denken gewagt. Es gab Momente in der deutschen Geschichte, da war die Rede von der Wiedervereinigung verpönt. Die Entspannungspolitik zielte mehr auf die Normalisierung der innerdeutschen Beziehungen ab. Es gab viele Bemühungen, die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und menschlichen Kontakte zwischen den beiden deutschen Staaten zu verbessern. Willy Brandt und Willi Stoph trafen sich 1970 als erste Regierungschefs der BRD und der DDR in Erfurt. Die Bilder des einfahrenden Zuges und der Begrüßung der beiden Männer gingen um die Welt.

Es waren dann später Willi Stophs Worte „Erich, es geht nicht mehr. Du musst gehen“, die am 18. Oktober 1989 zur Absetzung des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker führten. Unter andauerndem Druck durch Massenflucht und Demonstrationen sowie unter dem Einfluss von Egon Krenz, Günter Schabowski und Hans Modrow trat der Ministerratsvorsitzende Stoph am 7. November gemeinsam mit seiner Regierung zurück. Die regelmäßigen Protestmärsche, die sogenannten Montagsdemonstrationen, taten ihr Übriges. In der Nacht vom 9. zum 10. November 1989 kapitulierte der Staatsapparat der DDR vor seinem eigenen Volk. Die Öffnung der Berliner Mauer stellte einen Höhepunkt im Verlauf der „friedlichen Revolution“ dar.

Wie immer in Umbruchzeiten wusste keiner, wie es weitergehen würde. Es gab nicht wenige, die sich ein Fortbestehen beider Staaten vorstellen konnten. Eine lange und ungewisse Zeit wäre die Folge gewesen. Das nun für eine Wiedervereinigung geöffnete „Zeitfenster der Geschichte“ bewegte alle Beteiligten zu schnellem Handeln: Die SED bot der Opposition Gespräche am Runden Tisch an, Helmut Kohl legte im Alleingang sein Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung vor und die erste demokratisch gewählte Regierung der DDR unter Lothar de Maizière machte den Weg frei für die Übernahme des westdeutschen Wirtschafts- und Sozialsystems und den Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Da jedoch die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges über den Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten mitentscheiden mussten, wurden im Rahmen der Zwei-plus-Vier-Gespräche genannten Verhandlungen gemeinsam letzte Rahmenbedingungen erarbeitet.

Mit dem Hissen der deutschen Bundesflagge um 0:00 Uhr in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1990 am Reichstagsgebäude in Berlin war Deutschland nach 40 Jahren der Teilung wieder offiziell vereint.

Wem soll gedankt werden für eine friedliche Revolution und die deutsche Wiedervereinigung? Es gibt sicher viele Frauen und Männer, die hier aufgezählt werden könnten, weil sie sich nicht mit der Teilung Deutschlands abgefunden haben. Aber eins ist klar: Christen in beiden deutschen Staaten haben über Jahre zu Gott gerufen und um sein Eingreifen gebeten. In seinem Buch: „Und wir sind dabei gewesen – Die Revolution, die aus der Kirche kam“, beschreibt Christian Führer, ehemaliger Pfarrer der Nikolaikirche in Leipzig, wie Kerzen und Gebete mit dazu beitrugen, dass 1989 die Berliner Mauer fiel.

„Erhöre uns nach der wunderbaren Gerechtigkeit, Gott, unser Heil, der du bist die Zuversicht aller auf Erden und fern am Meer; der du die Berge festsetzest in deiner Kraft und gerüstet bist mit Macht; der du stillst das Brausen des Meeres, das Brausen seiner Wellen und das Toben der Völker, dass sich entsetzen, die an den Enden wohnen, vor deinen Zeichen. Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen“, Psalm 65,6-9.


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