von William-Booth-Haus

Zeig uns dein Gesicht

Eröffnung einer Galerie-Ausstellung im William-Booth-Haus

Kurt Gruhlke ist Sozialarbeiter im Verbundwohnen des William-Booth-Hauses der Heilsarmee in Berlin. Neben seiner Liebe und Hilfsbereitschaft zu Menschen ist er auch ein begeisterter Fotograf. Diese beiden Leidenschaften wollte er schon seit langem zu einem Projekt zusammenführen.

Während des Sommerfestes des William-Booth-Hauses bot er den Klienten und Bewohnern des Wohnheims der Heilsarmee an, Porträts von ihnen zu erstellen. „Als Fotograf liebe ich es, authentische Bilder von Menschen zu machen", erklärt Kurt Gruhlke, „oft höre ich beim Fotografieren: ‚Ich bin nicht fotogen, ich bin hässlich, Bilder von mir mag ich nicht.‘ Wenn es mir dann gelingt, dass diese Menschen ihre Bilder sehen und annehmen können, dann ist das ein Erfolg. Oft entdecken sie in ihren Bildern positive Dinge und Seiten, die sie selbst bisher gar nicht wahrgenommen haben. So kann Fotografie eine Hilfe zur Selbstannahme und Wertschätzung der eigenen Person sein.“ Das Angebot wurde sehr gut angenommen. Achtzehn Personen haben sich bereits für die Ausstellung ablichten lassen und es werden weitere folgen.

Özkan ist sehr dankbar für die Hilfe der Heilsarmee. Foto: Kurt Gruhlke

Doch dabei blieb es nicht. Kurt Gruhlke möchte mit diesen Bildern eine wichtige Botschaft vermitteln und eine Galerie-Ausstellung zeigte die Gesichter dieser Menschen am Tag der Eröffnung etwa 50 Besuchern. „Bei unserer Arbeit haben wir es hier mit Menschen zu tun, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, die sich oft vom Leben vernachlässigt fühlen, die sich nicht gesehen und nicht beachtet fühlen“, erklärt der Sozialarbeiter und Fotograf, „Wir wollen mit dieser Galerie zeigen: Zeig uns dein Gesicht. Du wirst gesehen. Du bist wertvoll. Du kannst es dir erlauben, gesehen zu werden. Wir sehen dich. Wir achten auf dich.“ Irena Thurmann, Leiterin des William-Booth-Hauses freut sich sehr über die ganze Aktion, da die Bilder die Menschen so zeige, wie sie sind: „Diese Bilder entsprechen nicht dem üblichen Klischee vom Wohnungslosen oder seelisch Behinderten, sondern sie zeigen Menschen, die ein Leben mit Höhen und Tiefen erlebt haben. Unsere Bewohner sind sympathisch, offen, ehrlich, klar, hoffnungsvoll, verträumt und stolz. Sie haben nicht aufgegeben, sondern gehen immer weiter. Es macht mich und meine Mitarbeiter stolz und froh, einen Teil dieses Weges mit ihnen zu gehen und sie an der ein oder anderen Stelle zu unterstützen."

Einer der fotografierten Personen ist Özkan. Seit Februar 2022 wohnt der 31jährige in einer WG im Verbundwohnen des William-Booth-Hauses. Er hat gesundheitliche Schwierigkeiten und es fällt ihm schwer, sich an ausgemachte Termine und Absprachen zu halten. Doch er ist dankbar für jede Betreuung und die ihm angebotenen Gespräche: „Durch die Unterstützung der Heilsarmee kann ich mein Leben freier gestalten und habe weniger psychischen Druck.“ Kurt Gruhlke trifft seinen Klienten jeden Dienstag zum Gespräch. „Er ist ein sehr lieber und netter Kerl, der in seinem Leben Unterstützung braucht. Und die möchten wir ihm geben", so Kurt Gruhlke. Musikalisch wurde die Eröffnung der Ausstellung von einem Konzert der Musethica begleitet, ein Viola Quartett mit Werken von Bowen, Bach, Lowry, Mendelsohn, Mahler, Bartók und Bridge.

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