William Booth: „Darkest England“ auf Deutsch erschienen

von Medien- & Öffentlichkeitsarbeit / Die Heilsarmee in Deutschland

Mit seinem Werk „In Darkest England and the Way Out“ legte Heilsarmee-Gründer William Booth im Jahre 1890 seine Kampfschrift vor. Unterstützt von dem Journalisten W.T. Stead nahm er sich mit dem Werk kein geringeres Ziel als die Abschaffung der Armut in England vor, die natürlich exemplarisch für die Armut in allen Ländern dient. Im Blaukreuz-Verlag, Lüdenscheid ist nun die von Doris C. Leisering übersetzte, gebundene Ausgabe „Im Dunkelsten England und der Weg heraus“ (345 Seiten) erschienen. Herausgeber ist die Heilsarmee in Deutschland. Das Cover ziert ein wellenumtoster Leuchtturm, gold auf schwarzem Hintergrund, er ist zugleich Symbol für diese Schrift, für das Licht, das den Weg aus dem Elend weisen soll. Und das war zu dieser Zeit gigantisch. Warum?

Wohnraummangel, Epidemien, Armut

Eine Folge der Industrialisierung war, dass es zu großen Bevölkerungsströmen vom Land in die Städte kam. Dampfmaschine und Webstuhl hatten die Produktion exponentiell beschleunigt, überall in den Städten entstanden Fabriken mit vielen neuen Arbeitsplätzen. Außerdem stieg die Lebenserwartung: Die Bevölkerung Englands stieg im Zeitraum 1850 bis 1900 von 18 Millionen auf rund 32 Millionen Menschen. Doch die Städte waren dem Zustrom nicht gewachsen, es gab extremen Wohnraummangel, mangels Kanalisation und Hygieneeinrichtungen breiteten sich Epidemien wie die Cholera aus. England, das den kontinentalen Ländern in der Ausbildung des Industriesystems voraus war, zeigte die schlimmsten Auswüchse des Frühkapitalismus. Alkoholismus, Prostitution und Verwahrlosung der Sitten schienen nur die logische Konsequenz dieser Entwicklung. Willkommen im „Im Dunkelsten England“, in dem William Booth zur Feder griff, um den Weg aus diesem Elend zu skizzieren!

Er beschreibt in seinem Werk umfängliche Sozialreformen, die noch heute Gültigkeit besitzen, forderte die Einrichtung von Suchtkliniken, kostenlosen Rechtsanwaltkanzleien für Arme, faire Arbeitsplätze, den Bau neuer Dörfer, Kleinbauernhöfe und kooperativer Farmbetrieben, um den ertrinkenden Menschen (im Buch beziffert er sie auf drei Millionen in England) im Meer des Elends Rettungsringe zuzuwerfen. Booth‘ Worte haben auch heute noch eine große Wirkung.  „Das erneute Lesen des Buches es hat mich tief bewegt“, schreibt Oberst Hervé Cachelin in seinem Vorwort.

Transformation vom Analogen ins Digitale

Warum erreicht uns William Booth mit seiner Schrift auch heute noch – 130 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen? Es gibt mehrere Gründe dafür: Die Not ist seit damals nicht kleiner geworden, ganz im Gegenteil. Heute stehen wir erneut vor einer - ungleich größeren - technologischen Revolution. Dieses Mal jedoch geht es nicht um Produktionsbeschleunigung, sondern um eine Beschleunigung aller Prozesse, und es ist nicht die Abwanderung der Menschen vom Land in die Städte die bemerkenswerteste Konsequenz (auch wenn diese Tendenz weiterbesteht), sondern eine Transformierung großer Teile der analogen Welt ins Digitale, die die Arbeitswelt gefährdet, Jobs überflüssig macht oder zumindest völlig verändert.

Parallelen: Industrialisierung und Corona-Krise

Die Corona-Krise, die hier wie ein Katalysator wirkt, hat uns vor Augen geführt, wie viele Arbeitsplätze immer noch von zwischenmenschlicher Interaktion im Raum abhängen und zerstört werden, wenn diese unterbunden werden muss. Dienstleistungen, Gewerbe und letztlich auch Produktion werden massiv eingeschränkt mit den entsprechenden konjunkturellen Folgen. Corona lieferte einen Vorgeschmack auf das, was die Digitalisierung in ihrer vollen Entfaltung bewirken könnte. Wenn Arbeitnehmer nicht mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten können und abgehängt werden: Arbeitslosigkeit, Armut, Müßiggang und moralischer Verfall drohen.

Genau wie es die Folgen der Industrialisierung für breite Teile der Bevölkerung im England Ende des 19. Jahrhunderts waren. Was William Booth uns hier zu sagen hat, gilt auch für uns heute, dennoch ist seine Streitschrift „keine reine Wehklage der Verzweiflung. Für das dunkle England, so wie für das dunkle Afrika, gibt es ein Licht am Horizont. Ich denke, ich kann einen Ausweg erkennen, einen Weg, auf diese erbarmungswürdigen Menschen der Hoffnungslosigkeit ihres elenden Daseins entfliehen und zu einem höheren, glücklicheren Leben gelangen können“, wie der Heilsarmee-Gründer in dem Anfangs-Kapitel „Warum dunkelstes England?“ schreibt.

Das Werk war seinerzeit sofort ein großer Erfolg, weil es den Nerv der Zeit traf. Binnen weniger Monate verkaufte es sich 115.000 Mal. Wir hoffen, dass auch die deutsche Ausgabe viele Leser findet.

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Verlag Blaukreuz-Verlag, 2020
ISBN 3941186663, 9783941186668

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