Vom Supermarktparkplatz in die größte Sporthalle Naumburgs
Volleyballangebot im Rahmen der Integrationsarbeit
Henning ist Mitglied der Heilsarmee und lebt mit seiner Familie in Naumburg. Am Ostersonntag haben wir ihn im Gottesdienst für einen neuen Dienst gesegnet, den er schon vor einiger Zeit ins Leben gerufen hat und der jetzt im Kontext unserer Gemeinde weitergeführt wird. Wir haben ihn um einen kurzen Bericht gebeten. Hier ist er:
Vor etwa drei Jahren sind wir als Familie nach Naumburg gezogen. Wir begannen schnell, uns im damaligen Sprachcafé zu engagieren. Es war eine gute Möglichkeit, andere zugezogene Leute kennenzulernen und uns gegenseitig zu helfen, in Naumburg anzukommen.
Im Sprachchafé lernte ich eine Gruppe afghanischer Männer kennen, welche sich jeden Tag auf einem Supermarktparkplatz zum Volleyballspielen trafen. Das ging mir nach. Als ich eines Sonntages nach dem Gottesdienst mit jemandem aus der Heilsarmee darüber sprach, dass es schön wäre, mal wieder Volleyball zu spielen, entstand eine Idee: Wenn wir in der Gemeinde ein paar Leute finden und uns mit den Afghanen zusammen tun, wären wir genug Leute für ein Volleyballteam. Also begab ich mich auf die Suche nach einer Turnhalle, die wir dafür nutzen könnten. Über unseren damaligen Kooperationspartner des Sprachcafés wurde ich fündig und so starteten wir im März 2024 zunächst in einer kleinen Turnhalle damit, wöchentlich Volleyball zu spielen. Waren wir beim ersten Mal noch zu fünft, wurde unsere Gruppe schnell größer, sodass die Turnhalle bald zu klein wurde. Der Verein ermöglichte uns daraufhin, dass wir in eine größere Turnhalle wechseln konnten.
Wöchentlich kommen mittlerweile ca. 30-40 Leute verschiedenen Alters und verschiedener Herkunftsländer zusammen. Sie wohnen in Naumburg, Weißenfels oder sogar in Merseburg. Manche kommen der Gemeinschaft wegen und spielen gar kein Volleyball. Manche kommen, um die deutsche Sprache zu verbessern. Manche kommen, um Freundschaften zu knüpfen oder zu pflegen. Manche kommen, da sie in anderen Sportangeboten rassistische Erfahrungen gemacht haben. Sie spielen schon lange Volleyball, oder haben gerade erst damit angefangen. Alle haben einen Platz.
In den letzten Monaten standen wir vor der Herausforderung, dass das Angebot nicht hätte weitergeführt werden können, da der Verein nicht länger als Träger zu Verfügung steht. Wieder führte ich viele Gespräche und wieder war es ein Gespräch nach dem Gottesdienst, welches den entscheidenden Hinweis gab: Wie wäre es, wenn die Heilsarmee die Trägerschaft übernehmen würde? Amüsanterweise gibt es bereits ein Logo für das Angebot, welches aus der Schublade gezogen werden konnte. In Vergangenheit wurden auf nationaler Ebene der Heilsarmee bereits Logos in Auftrag gegeben, welche für eventuelle Sportgruppen gestaltet wurden, aber bisher keine Verwendung fanden. Darauf können wir nun zurückgreifen. Nachdem ein paar Fragen geklärt werden konnten, spielt unsere Volleyballgruppe nun seit dem 01.04.2026 unter dem Dach der Heilsarmee und ich freue mich sehr darüber. Was mit einem Gespräch beim Sprachcafé in der Heilsarmee begann, führt nun wieder dorthin zurück. Wir sind gespannt, was noch vor uns liegt.