Tag des offenen Denkmals in Hamburg

Durch die Historie des 130jährigen Heilsarmeegebäudes auf St. Pauli

v.l.n.r: Hervé Cachelin, Herr und Frau Rampendahl, Maren Siewert (Leiterin Jakob-Junker-Haus)

Baustelle und Denkmal trafen vergangenes Wochenende aufeinander. Am Tag des offenen Denkmals in Hamburg öffnete auch das Gebäude der Heilsarmee in der Talstraße seine Türen. Seit 2018 wird das 130jährige Gebäude nun schon saniert, doch nach wie vor ist viel vom Charakter des denkmalgeschützten Gebäudes vorhanden. Das lockte viele Interessierte am Wochenende in die Talstraße. Mehr als 60 Teilnehmer nahmen an den Führungen durch das historische Gebäude auf der Reeperbahn teil.

Ursprünglich als „Herberge zur Heimat“ 1889-90 von den renommierten Architekten Gustav Zinnow und Hugo Stammann entworfen, wurde das Gebäude 1922 Sitz der Heilsarmee in Hamburg. Die „Herberge zur Heimat“ bot Wandergesellen und Handwerkern in einer Zeit, in der Hamburg übervölkert war und an Wohnungsnot und Vandalismus litt, einfache und günstige Obdach an. Auch Ringelnatz beanspruchte dieses Angebot 1901 in Hamburg für sich: „Um Geld zu sparen, wohnte ich anfangs für 40 Pfennig pro Tag in der Herberge zur Heimat. Es ging dort recht unordentlich zu, so dass ich meine Briefe lieber postlagernd bestellte.“ (Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk in sieben Bänden. Band 6: Mein Leben bis zum Kriege, Zürich 1994, S. 147)
Bis die Heilsarmee, seit 1890 in Hamburg aktiv, das Gebäude 1922 erwarb, diente es noch als christliches Hospiz, Restaurant, Logierhaus und als „Missionshaus St. Pauli“. Während des Dritten Reichs musste das Korps in Hamburg erhebliche Einschränkungen seiner Arbeit hinnehmen, doch nach Ende des zweiten Weltkrieges, wurde die Versorgung der Menschen im Hamburger Kiez wieder aufgenommen. Auf den sechs Ebenen können Menschen in unterschiedlichen Notlagen unterstützt werden: Essensausgabe, Seelsorge und Beratung, Kleiderkammer, Duschen, Friseur und Wohnungen mit geförderten Mieten.  

Während der umfassenden Sanierung seit 2018 gilt es, die denkmalgeschützten Bereiche des historischen Wahrzeichens so zu restaurieren, dass es weiterhin ein Zeugnis für seine langjährige Geschichte darstellen kann. Durch dieses Zusammenspiel zwischen Alt und Neu führten vergangenes Wochenende Oberst Hervé Cachelin, Architekt Gerrit Rampendahl von Kanstein Architekten und Gregor Heidemann.

Die Eröffnung für das Korps mit Begegnungscafé soll planmäßig zum Jahresende 2021 erfolgen.

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