Siegen – Corona – und ein großer Gott

von / Korps Siegen

Ich will euch mitnehmen auf in diese Reise und euch teilhaben haben lassen, an den wunderbaren Dingen, wie ich Gott hier in Siegen mit Corona erlebe. Was er mit der Situation macht und wie er mit mir umgeht.

Als wir im Korps am 15. März beschlossen, die Gottesdienste, alle Korps-Veranstaltungen und auch das Café Oase zu schließen, blutete mir das Herz. Ich fragte mich, wo sollen die Menschen hin, wenn wir Christen uns auch verkriechen?

Und was bedeutet es für die Korpsfamilie, sich nicht mehr zu sehen? Wie kommen vor allem die Schwächeren damit zurecht? Ist das wirklich alles richtig? Gibt es keine andere Lösung?

Die meisten gehören zur Risikogruppe

Nein, die gab es nicht – und da auch die meisten der Korpsfamilie zur Risikogruppe gehörten, blieb nur die Schließung übrig.

Und ich fragte mich: Und was mach ich jetzt? Keine Predigten erarbeiten, keine Frauenstunde, kein Bibelgespräch mehr, nicht mehr kochen und backen, ja nicht mal die Leute besuchen, alles fällt weg.

Ich suchte nach Möglichkeiten, wenigstens den Menschen draußen, die ja jetzt noch ärmer dran waren, irgendwie zu helfen. Telefonierte mit der Stadt, mit dem Ordnungsamt und wurde überall abgewiesen. Die Leute wären versorgt. Leider ist das aber nur die Theorie, denn trotzdem gibt es viele Menschen, die nichts mehr hatten, die nicht mehr wussten wohin.

Aber es schien im Moment hier einfach keine Lösung zu geben.

Es machte mich traurig zu hören, wie in anderen Städten und Korps die Kollegen/innen vor Arbeit fast nicht mehr wussten, wo oben und unten ist. Die Menschen ihnen die Türen buchstäblich einrannten und ich saß hier und hatte nichts zu tun! Und so konnte ich zunächst nichts weiter tun, als für unsere Gemeindemitglieder da zu sein.

Das belastete mein soziales Herz doch sehr

Herr, ist das wirklich dein Ernst?

Oh ja, das war es. Er zeigte mir relativ schnell, was er von mir wollte, was meine Aufgabe war.

Die Stille Zeit war mir ja schon immer sehr wichtig, hatte und hat bis heute jeden Tag oberste Priorität.

Jetzt wurde es noch konkreter. Das Thema hieß: noch mehr in die Stille zu gehen – auf Ihn zu hören und für alle zu beten, die jetzt nicht in die Stille gehen konnten, die jetzt erst mal einen Sturm an Arbeit hatten, um die Menschen zu versorgen.

Also machte ich das, was wir auch gerade in der Predigtreihe über den Psalm 23 gelernt haben:

Er lagert mich auf grünen Auen und führt mich zu frischem Wasser.

Die Frage ist ja: Lasse ich mich auch lagern? Lasse ich mich zur Ruhe setzen, in die Stille führen und „tue“ einfach mal nichts.

Wenn man ein aktiver Mensch ist, fällt das schwer. Aber der gute Hirte zog mich einfach in diese Stille hinein und langsam fing mir das an zu gefallen und ich genoss es. Bei schönem Wetter auf dem Balkon zu sitzen, oder in meiner gemütlichen Ecke auf dem Sofa - zu lesen, zu studieren, in der Gegenwart Gottes zu sein – mit ihm zu reden und vor allem auf ihn zu hören. Zu fragen: Was willst DU Herr?

Diese Krise – was will Gott mir und uns damit sagen?

Er hat den Virus ja nicht gemacht, aber zugelassen. Wozu? Und immer wieder kam auch Psalm 46 in mein Herz, in den Sinn und Gedanken: Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, als Helfer in Nöten reichlich erfunden, darum fürchten wir uns nicht. Und in Vers 11: Seid still und erkennt, dass ich Gott bin! Ich werde erhaben sein unter den Völkern, Ich werde erhaben sein auf der Erde.

Dieser Psalm, dieser Vers ging mir nicht mehr aus dem Kopf.

Sind wir zu beschäftigt mit allen möglichen Dingen im Alltag, grade in der Heilsarmee ist das ja ein großes Thema – immer „Tun zu müssen“, „helfen zu müssen“ – die Not ist ja riesig. Anhand der Statistiken wird das Tun bemessen – immer in Aktion zu sein – zu dienen, zu geben ... und jetzt in dieser Krise erst recht.

Auf IHN zu hören wird vergessen, auf die Seite geschoben, weil die Zeit dazu fehlt. Wir sind selber immer am „machen“ sind, statt diesen großen Gott machen zu lassen und einfach mal stille zu sein.

Stille zu sein – und in dieser Stille ihn erkennen, als der, der ist: ein mächtiger großer Gott. Er will erhaben sein – ihn sollen wir ehren – ihm gebührt die Ehre. Er ist der, der wirklich helfen kann.

Ja, Gott ist doch da, steht mir zur Seite, hat den Überblick und alles im Griff! Ich muss nicht „Machen“, sondern darf erkennen, dass ER eben Gott ist und das Richtige schon tut. Auch, wenn es in dieser Welt scheinbar nicht so zu sehen ist.  Ein so kleiner Virus, unsichtbar für das bloße Auge, bringt die ganze Menschheit in Aufruhr, Angst und Schrecken.

Ich glaube, diese Krise ist ein erneuter Ruf Gottes: Werdet stille! Erkennt! Kommt zu mir! Ich bin eure Zuversicht, Stärke und ein großer Helfer.

Und wenn es dann dran ist, dass auch ich etwas tun soll, zeigt er mir was

Nach ca. zwei Wochen des lagern lassen's kamen plötzlich neue Gedanken ins Herz und Ideen kristallisierten sich.

Warum die Lebensmittelausgabe in der Situation nur an einen Tag? Mach sie täglich auf!

Mach eine Streife durch die Stadt, schau nach Menschen, die durchs Raster fallen. Nicht nur Essen verteilen – nicht nur dem Bäuchlein gut tun, sondern auch der Seele – Reden mit den Menschen, Anteilnahme zeigen ...

Mach das Café wieder auf, gib das Essen, was es sonst gibt, als To-Go Essen raus.

Gib einen Artikel in der Zeitung auf! Zeig, dass die Heilsarmee noch da ist, helfen möchte, aber auch Hilfe braucht.

Doch die Wolken ließen nicht lange auf sich warten – wie denn, mit was denn? Aber ok Herr, wenn du die Mittel gibst, mache ich das. Ich erinnerte mich an Petrus: Auf dein Wort Herr..

Ich wusste nicht, wie das gehen soll, aber ich machte auf. Das Café, die Lebensmittelausgabe, richtete den Bollerwagen für die Streife und mithilfe von Florian Jocham, kam ein Artikel in die Zeitung und der Herr tat das Seine und das über Bitten und Verstehen.

Jetzt ging nämlich das Staunen los. Gleich am ersten Tag des Erscheinens des Artikels in der Zeitung klingelte das Telefon Sturm. Was könnt ihr brauchen? Was sollen wir bringen, was eignet sich für die Menschen draußen? Oder: geben sie mir die Bankdaten, ich will was überweisen, usw.

Und die Lebensmittel kamen und die Menschen, die sie brauchten, auch

Ich stand oft da und war fassungslos über diese Hilfen und darüber wie Gott die Herzen der Menschen bewegte. Ich konnte aus dem Vollen schöpfen und das machte noch mehr Spaß als sonst.

Ich muss bekennen, dass ich ja schon etwas sportfaul bin, aber die täglichen Spaziergänge durch die Stadt fingen an gutzutun und die Gespräche mit den Menschen machten viel Freude. Oft waren die Menschen froh, wenn mal jemand mit ihnen redete und sie sich den Frust von der Seele reden konnten.

Einmal war ein zerlumpter Mann da, der sich so freute über ein Brotpaket und eine Schokolade, dass er mitten auf der Straße einen Freudentanz aufführte und laut Gott dankte und lobte. Solche Erlebnisse waren und sind müde Beine und Füße allemal wert.

Nach einer Weile sah ich, das die Lebensmittel langsam zur Neige gingen und in der Stille, an einem Montag, das weiß ich noch gut, murmelte ich so vor mich hin: also Herr, wenn das weitergehen soll, dann müsste so langsam neue Ware her. Es war nicht mal ein richtiges Gebet, nur so ein murmelnder Gedanke.

Am Mittwoch blieb mir dann vor Staunen fast die Luft weg. Unabhängig voneinander kamen innerhalb einer Stunde zwei Frauen, vollbepackt mir Körben, Tüten und Taschen und ich war platt über so viel Großzügigkeit. Was da an Wurst, Käse, Brot, Fisch, Jogurts, Obst und Süßigkeiten – 30 Osterhasen - ausgepackt wurde, war der absolute Wahnsinn.

Ja, der Herr ist treu und absolut genial. Er weiß, was, wieviel wir wann brauchen und gibt im Überfluss

Aber Corona ist ja nicht vorbei und wird uns sicher noch eine Weile beschäftigen. Ich weiß nicht, wann wir unser Café, die Frauenstunde wieder wie gewohnt öffnen können oder wie „normal“ das Leben wieder wird. Den Gottesdienst können wir wenigstens mit den geforderten Schutzmaßnahmen wieder feiern und dafür sind wir sehr dankbar.

Ich glaube diese Krise zeigt, was wirklich wichtig ist und Gott offenbart seine große Treue.

Ich glaube aber auch, es tut wirklich Not, dass wir uns lagern lassen, um zu hören, was Gott uns in dieser Situation zu sagen hat. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass er uns zurüsten will, für etwas was kommt, von dem wir noch nicht wissen, was es sein wird.

Deshalb kann ich es nur bezeugen: ER ist genial und wir haben einen wunderbaren Gott und Vater. Wenn vielleicht auch nicht immer alles läuft, wie wir uns das vorstellen – ER weiß zur richtigen Zeit das Richtige zu tun. Er hat den Überblick und wir dürfen uns von IHM führen lassen. Sei es auf grüne Wiesen, an frische Wasserquellen oder einfach mal in der Ruhe uns von IHM lagern lassen und auf ihn hören.

Es ist wahr: Der gute Hirte lässt seine Schäfchen nicht im Stich.

Zurück