Siebenhundertfünfzig Meter

von Ellen Christen / Korps Stuttgart

Siebenhundertfünfzig Meter! Wenn Sie langsam gehen, benötigen Sie für diese Strecke zehn Minuten. Wenn Sie aus Ihrer Haustür gehen: wieviel Menschen werden Ihnen in diesen zehn Minuten begegnen? Zehn, zwanzig, hundert oder vielleicht tausend? Jeder Mensch, der Ihnen begegnet, hat eine einzigartige Lebensgeschichte, jeder dieser Menschen hat Gaben und Fähigkeiten, die kein anderer Mensch hat.

Siebenhundertfünfzig Meter, das ist genau die Strecke zwischen unserem Gemeindehaus und dem Bahnhof Bad Cannstatt. Auf dieser Strecke verteilen wir als Heilsarmee Stuttgart-Bad Cannstatt Lebensmitteltüten. Eigentlich wollten wir viel weiter kommen... doch auf diesen siebenhundertfünfzig Metern gibt es so viele Menschen, die unsere Hilfe benötigen. Auf dieser kurzen Strecke so eine Menge Menschen, die sich einfach darüber freuen, dass sie eine Tüte mit Lebensmitteln geschenkt bekommen.

Einerseits macht es mich froh, den Menschen vor unserer Haustür helfen zu können. Doch dann fange ich an zu rechnen: Wenn ich schon auf siebenhundertfünfzig Metern dreißig Menschen treffe, die dringend eine Tüte mit Lebensmitteln benötigen, wie viele sind es in 1.500 Metern? Oder in 3.000 Metern?

Diese Frage lässt mich unruhig zurück. Ja, es gibt viele Hilfsangebote in Stuttgart und ich bin froh über das gute Netzwerk von vielen Menschen, die Bedürftigen helfen. Doch frage ich mich, wieviel Not wir einfach übersehen, weil wir einfach dafür keinen Blick mehr haben.

Not zeigt sich nicht immer darin, dass man eine Lebensmitteltüte benötigt. Not hat viele Gesichter. Manch einer geht durch eine schwere Zeit und ist froh, wenn jemand mitträgt. Ich wünsche uns, dass Gott uns zeigt, wie wir zeigen können, dass er hilft – oft auch durch uns Menschen.

Zurück