Schnappschuss in Uniform
Eine Uniform habe sie noch nie getragen, sagt die junge Frau am Stand der Heilsarmee auf dem Willow-Creek-Kongress in Dortmund. Deshalb nutzt sie jetzt die Chance für einen Schnappschuss und stellt sich mit ihrer Freundin hinter die Fotowand. Bitte lächeln! „Wie schön, dass die Heilsarmee hier ist“, sagt sie später mit einem süddeutschen Akzent. „Ihr macht wirklich gute Arbeit." Sie sei aus München mit ihrer Freundin angereist, um an dem zweitägigen Event teilzunehmen.
Neben der originellen Fotowand lockt die Heilsarmee auch mit warmem Kakao, der auf einem mitgebrachten Lastenrad in einem Spender gerührt wird. Viele Messebesucher bleiben stehen, trinken Kakao und unterhalten sich mit den Offizieren Matthias Lindner, Chris Baldwin oder der Kadettin Simona Döttling über Jobs, Praktika und die vielen Möglichkeiten des Ehrenamtes. Auf den beiden Stehtischen hinter der roten Wand liegen Postkarten und Broschüren zum Mitnehmen. Schwerpunkt des Messeauftritts ist die Suche nach Personal. Ob als Geistlicher, Freiwilliger oder Mitarbeiter in einer Sozialeinrichtung – auch die Heilsarmee braucht Christinnen und Christen, die ihre Mission teilen.
Lobpreis und Vorträge
Rund 6.000 Christen waren vom 12. bis 14. Februar zum Willow-Creek-Leitungskongress 2026 ins Ruhrgebiet gereist. Er stand unter dem Motto „Rooted – Gute Leitung braucht starke Wurzeln“. Was gibt Menschen Halt in bewegten Zeiten? Und wie können Leiterinnen und Leiter tief verwurzelt im Glauben wachsen – das waren zentrale Fragen. Das Kongressprogramm war geprägt von geistlichen Impulsen, Lobpreis und praxisnahen Vorträgen. Zu den Rednern gehörten unter anderem der US-Unternehmensberater Tod Bolsinger, Mindy Caliguire, Gründerin der US-Organisation „Soul Care“, sowie der emeritierte Theologieprofessor Michael Herbst. Der Willow-Creek-Leitungskongress ist Teil einer christlichen Kongressbewegung, die 1996 in Deutschland startete. Seitdem gab es hierzulande über 40 Kongresse.
Während in der Westfalenhalle Redner, Prediger und Musikgruppen auftraten, konnten sich die Besucher in den Pausen an vielen Ständen aus dem freikirchlichen Umfeld informieren. Zu den Fachausstellern gehörten Ausbildungsstätten, kirchliche Gruppen, Tagungshäuser und Hilfsorganisationen wie zum Beispiel Open Doors. Dort stand ein olivgrüner Militärjeep mit einem Porträt des iranischen Revolutionsführers; eine kleine Ausstellung erinnerte an das Leid der verfolgten Christen. Dahinter parkte das Flugzeug einer Hilfsorganisation, die Menschen in unwegsamen Gebieten versorgte ein Film dokumentierte den Einsatz. Zum Ausruhen und Beten lud eine Tiny-House-Kirche aus Hessen ein.
Für die Heilsarmee war der Stand auf dem Kongress ein voller Erfolg. „Wir sind hier echt ein Magnet", sagt Matthias Lindner, der mit vielen Besuchern gesprochen hat. Fürs nächste Jahr hat sich Lindner den evangelischen Kirchentag in Düsseldorf eingetragen. Auch dort will sich die Heilsarmee präsentieren.