Patchwork-Ferienwoche

Ein neues Projekt der Heilsarmee steht in den Startlöchern.

von / THQ

Wir, das Patchwork-Team, sieben Mitarbeiter der Heilsarmee, erwarten voll Spannung die Anreise der Teilnehmer dieser Ferienwoche. Sie findet in der Christlichen Freizeit- und Tagungsstätte der Heilsarmee "Seehof" in Plön statt. Mitten im Wald und direkt am See erwartet die Teilnehmer Natur pur. 36 Kinder und 17 Erwachsene, 13 Familien also, die sich Ferien sonst nicht leisten können. Wir kennen die Namen auf der Liste, aber wissen nicht, was uns erwartet. In recht kurzer Zeit haben wir ein neues Konzept entwickelt, aber lässt es sich auch so durchführen?

Und dann sind sie da: vollständige Familien, Alleinerziehende, Geschiedene, getrennt Lebende, Partner, die sich der Kinder annehmen, die nicht ihre eigenen sind. Bunt, wie die Familien in unserer Gesellschaft heute sind. Darum auch "Patchwork-Familienwoche". Unser Konzept sieht vor, dass die Familien an allen Programmangeboten gemeinsam teilnehmen, was für jeden eine Herausforderung darstellt. Aber das fördert die Kommunikation in der Familie. Eine Ausnahme wird es geben: einen kinderfreien Elternabend bzw. einen elternfreien Kinderabend.

Gemeinsames Erleben, von dem alle profitieren und an dem alle Spaß haben, steht im Mittelpunkt. Wir wollen Respekt innerhalb der Familie fördern, christliche Werte sind uns wichtig. Darum haben wir auch für jeden Abend ein kurzes evangelistisches Programm mit Singen, Spielen und Geschichten geplant. Tischgebete sind für uns selbstverständlich.

Das Programm ist abwechslungsreich und für jedes Alter ist etwas dabei: schwimmen, klettern, Boot fahren, Minigolf spielen, wandern und ein Besuch im Marionettentheater. Außerdem Workshops zu den Themen Fotografieren, Kochen über einem Feuer, das "perfekte Dinner" und Entspannung mit Traumreise. Am Abend gibt es noch freiwillige Angebote wie Lagerfeuer, Tischtennis oder Filme. Die Freizeit beginnt und die Familien nehmen vorsichtig, neugierig und begeistert an den Angeboten teil. Allmählich lernt man sich kennen. Wir Mitarbeiter nutzen Gelegenheiten, die sich ergeben, zum Gespräch mit den Eltern, um mit ihnen über den Zweck und die Ziele der Patchwork-Ferienwoche zu reden. Die meisten Eltern sind offen und erzählen von ihren Lebensverhältnissen und Sorgen.


Da ist zum Beispiel A. Sie leidet seit ihrem 30. Lebensjahr unter Psychosen, die auf Erfahrungen aus ihrer Kindheit zurückzuführen sind. Sie muss starke Medikamente nehmen. Diese machen sie arbeitsunfähig und zur Hartz-IV-Empfängerin. Die Ehe ist gescheitert. Gleich am ersten Abend bedankt sie sich für diese Ferienwoche. Seit sieben Jahren konnten sie sich aus finanziellen Gründen keinen Urlaub leisten.
Wir lernen M. kennen. Sie lebt von ihrem Mann getrennt, hat fünf Kinder zwischen einem und neun Jahren. Da sie damit überfordert ist, leben zwei der Kinder beim Vater. Darunter leidet sie besonders stark, denn sie liebt ihre Kinder und ist gern Mutter.
C. hat zwei Kinder. Eines ist behindert und wird eines Tages im Rollstuhl sitzen. Der Mann hat sie verlassen, als das jüngere, behinderte Kind zur Welt kam.
T. heißt der neunjährige Junge mit einer Entwicklungsstörung. Er ist eines von acht vernachlässigten Geschwistern. Seine Mutter konnte nicht mitkommen. Darum ist Ilse, eine Mitarbeiterin der Heilsarmee, in diesen Tagen seine "Mutter" und die seines Bruders.
Fast jede Familie hat psychische und/oder soziale Probleme und ist damit überlastet. Wir Mitarbeiter wollen den Eltern nicht ungefragt "kluge Ratschläge" erteilen. Eine Einmischung in Fragen der Kindererziehung ist ohnehin schwierig. Aber durch Lob und Anerkennung können wir positiv verstärken, was im Ansatz schon da ist. Das ist unsere Strategie und das Beste, was wir in den wenigen Tagen bewirken können.

Die Eltern sind dankbar – die Kinder sowieso. Sie bescheinigen uns am Ende der Zeit, dass die Durchführung dieser Woche flexibel, geduldig und sehr liebevoll gestaltet war. Wir sind erleichtert und irgendwie auch am Ziel angekommen. Am Anfang war es nur ein Traum, nun haben wir unsere erste Patchwork-Ferienwoche hinter uns und wir Mitarbeiter sind uns einig: es gibt noch viele solcher Familien in Deutschland, denen wir mit so einer Woche Impulse und einen Ausgleich zum Alltag geben können, den sie sich sonst nicht leisten oder organisieren könnten. Darum möchten wir dieses Angebot einer Patchwork-Ferienwoche unbedingt fortsetzen.
Majorin Stefanie Honsberg

Zurück