Organspende

Der Vorstoß des Nationalen Ethikrats, die Organspende neu zu regeln, ist in den protestantischen Reihen auf ein unterschiedliches Echo gestoßen.

von / THQ

Nach den einstimmig beschlossenen Vorschlägen des Gremiums sollte die Organentnahme bei hirntoten Menschen künftig erlaubt sein, wenn der Betroffene nicht zu Lebzeiten oder seine Angehörigen am Totenbett widersprechen. Bisher dürfen nur Organe von Verstorbenen entnommen werden, die selber oder deren Angehörige ausdrücklich zugestimmt haben.

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, bezeichnete die Vorschläge als nicht akzeptabel. Der Mensch dürfe nicht zum Ersatzteillager degradiert werden. "Nächstenliebe kann man nicht befehlen", sagte Steeb. Nach seiner Auffassung soll es bei einer absoluten Freiwilligkeit bleiben. Die Würde des Menschen werde verletzt, wenn man gewissermaßen dazu gezwungen werde, seine Organe abzugeben. Anderer Überzeugung ist der frühere Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, der Transplantationsmediziner Prof. Eckhard Nagel. Er ist Mitglied im Ethikrat und verteidigte im Deutschlandradio Kultur die Empfehlung mit dem Hinweis darauf, dass Menschen sterben, weil sich zu wenige Bürger zu einer Organspende bereit erklärten. Nagel regte an, die Bürger direkt dazu zu befragen, etwa durch die Krankenkasse oder bei der Verlängerung des Personalausweises.

Hintergrund der Vorschläge des Ethikrats ist der anhaltende Mangel an Organspenden. Der Mannheimer Medizinrechtler Jochen Taupitz, der federführend für die Stellungnahme des Gremiums war, sprach von etwa 1000 Menschen, die pro Jahr aufgrund fehlender Organspenden sterben. Insgesamt warten derzeit etwa 12 000 Patienten in Deutschland auf ein Spenderorgan.

Der Medizinethiker und Theologe Prof. Werner Stroh, Mitglied im Direktorium des Giessener Transplantationszentrums, begrüßte den Ethikrat-Vorstoß als einen "Durchbruch". "Wenn ein Mensch etwas in Segen empfangen hat, soll er es auch in Segen weitergeben", sagte er. Ein hirntoter Mensch sei tot "und nicht auf dem Weg dahin". Kritiker der Organspende entgegnen, dass das vollständige Hirnversagen nicht festgestellt werden könne. Nach Ansicht des Vereins "Kritische Aufklärung über Organspende" gibt es viele Lebenszeichen bei Hirntoten. So funktioniere bei künstlicher Beatmung weiter das Herz-Kreislauf-System, Schwangere könnten mitunter Kinder austragen, und einige Hirntote reagierten bei der Organentnahme mit steigendem Blutdruck.

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