Neu in Warschau – und in Polen

von / Polen (Armia Zbawienia)

Den folgenden Bericht schrieb Leutnant Oleg Samoilenko. Gemeinsam mit seiner Frau, Leutnantin Dominika Domańska, leitet er seit Oktober 2018 das Korps Warschau-Praga-Północ. Der Leutnant stammt aus der Ukraine.

Ein Umzug ist für jeden Menschen eine gewisse Belastung; man muss viele Dinge organisieren, zum Beispiel die Arbeit am alten Ort zu Ende bringen, und sich an den neuen Alltag gewöhnen. Als Offizier der Heilsarmee war ich bereits mehrmals umgezogen und kannte alle Aspekte dieses schwierigen Prozesses. Aber in diesem Fall war alles etwas anders. Am 1. Juli saß ich am Flughafen in Kiew/Ukraine und mir wurde klar, dass ich nicht einfach in eine neue Stadt abreiste, sondern für immer in ein anderes Land zog und in ein neues Territorium der Heilsarmee kam. In zwei Monaten würde ich heiraten. Es würde eine andere Sprache und Kultur geben. Alles würde mehr als anders sein.

„Spazierstock“?
Meine erste Versammlung im Korps Warschau-Praga-Północ war wie die erste Ankunft eines Kindes im Kindergarten, wenn es alles neu kennenlernt und etwas Angst vor dem Neuen hat. Ich wurde vorgestellt, und verstanden habe ich dabei nur meinen Namen. Was die Sprache angeht, komme ich jeden Tag in kuriose Situationen, da alles zwar sehr verständlich erscheint (Ukrainisch und Polnisch sind einander ähnlich), gleichzeitig aber vieles etwas völlig anderes bedeutet. Während meiner ersten polnischen Predigt wollte ich Gnade (auf Polnisch łaska) sagen, sagte aber „Spazierstock“ (laska). Es ist nett, dass die Leute mich sehr unterstützen und akzeptieren. Manchmal versuchen sie ukrainische Wörter zu lernen. Es war sehr ungewohnt für mich, dass ich zum Willkommen gelbe Blumen geschenkt bekam. In der Ukraine verschenkt man diese zum Abschied oder zur Beerdigung.

Meine Bestallung als Offizier in Polen erhielt ich, weil meine Frau Polin ist und zudem die erste polnische Offizierin in der Geschichte der Heilsarmee (von daher hatte ich das Glück, Teil der Geschichte zu werden). Sie und ich freuen uns darüber, Teil dieses Korps zu sein: Es ist das erste für sie und das fünfte für mich. Im Gegensatz zu den Ländern, in denen ich bisher diente, werden hier einige Projekte von der Stadt mitfinanziert, sodass wir mehrere Mitarbeiter einstellen konnten. In der Ukraine habe ich als Offizier fast alles alleine gemacht.

Polen ist ein katholisches Land, daher ist jeder hier sehr schnell bereit, über Religion oder Kirche zu sprechen, aber viele sind nicht so offen für Gott. Wenn ich sage, dass ich ein Pastor bin, passiert es sehr häufig, dass die Leute fragen, wo denn mein Kollar sei (der weiße Stoffstreifen am Kragen des Priesters). Viele Menschen kennen die Heilsarmee jedoch aufgrund ihrer Arbeit mit Obdachlosen in Warschau und des Projekts zur Bekämpfung des Menschenhandels.

Die Komfortzone verlassen
Veränderung ist nicht immer einfach. Man muss etwas opfern, dazulernen und viel akzeptieren. Wenn man jedoch bereit ist, die Komfortzone zu verlassen, sieht man, wie viel man für sich selbst entdecken kann. Ich verstehe immer noch nicht alles in der hiesigen Kultur. Es ist schwierig mit der lokalen Mentalität und dem Essen, aber ich freue mich darauf, diese neue Welt zu entdecken. Gott gibt uns Unterstützung durch die Menschen, denen wir begegnen, und führt uns immer dann, wenn wir dafür offen sind.

Auf den Straßen Warschaus treffe ich jeden Tag Menschen aus der Ukraine, Moldawien und Weißrussland, die auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben hierherkommen. Sie sprechen nicht die polnische Sprache, kennen die Gesetze nicht und wissen nicht, wo sie Hilfe suchen sollen. Viele von ihnen geraten in schlimme Situationen oder werden betrogen. Vor Kurzem hat der ukrainische Konsul an die Heilsarmee in Polen appelliert, die Zusammenarbeit bei der Unterstützung dieser Betroffenen zu fördern. Ich verstehe immer mehr, warum ich hier sein soll. Gott hat einen Plan für das Leben eines jeden Menschen. Bist du bereit zu hören, was er mit dir vorhat? „Was kein Auge je gesehen und kein Ohr jemals gehört, was keinem Menschen je in den Sinn kam, das hält Gott für die bereit, die ihn lieben“ (1. Korinther 2,9b).

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