Menschenhandel - Was geht es mich an?!

Im Frühjahr 2008 fand am Internationalen Hauptquartier (IHQ) in London ein Workshop statt.

von / THQ

Aus sechzehn europäischen Territorien sowie aus der Europa-Abteilung des IHQ kamen zweiundzwanzig Delegierte für zwei Tage zusammen. Ziel des Workshops war zum einen der Austausch. Da ging es um Fragen wie: welche Priorität hat das Thema "Menschenhandel" im jeweiligen Territorium; was wird in den einzelnen Territorien bereits getan, z. B. wer arbeitet an der Basis vor Ort und gibt es Verantwortliche der Heilsarmee, die die Arbeit im Territorium koordinieren; welche Hilfe-Netzwerke gibt es in den einzelnen Ländern und mit welchen arbeitet die Heilsarmee zusammen.

Ein zweiter Schwerpunkt war die Information über den Menschenhandel an sich: wie es durch Armut und Arbeitslosigkeit dazu kommt, dass Menschen in die Situation geraten, sich und ihren Körper verkaufen zu müssen. Für die Sexindustrie, für Organtransplantate, für den Arbeitsmarkt; wie sie dabei abhängig werden von anderen Menschen, die diese Situation zu ihrem Vorteil ausnutzen; wie das System des Handels funktioniert, durch Anwenden von Gewalt, Misshandlung, psychische und physische Bedrohung, Vergewaltigung, durch extreme Mobilität und Leben in der Illegalität, durch menschenverachtendes Verhalten und menschenunwürdiges Behandeln ... Dazu gab es Referate von Fachleuten verschiedener Organisationen. Ebenso berichteten die Verantwortlichen der Heilsarmee in England aus ihren Arbeitsbereichen. Dazu gab es eine Übersicht über die europäische Gesetzgebung wie über die Rechtslage der Opfer des Menschenhandels.

Der dritte Schwerpunkt des Workshops bestand darin, Handlungspläne für die einzelnen Territorien zu erstellen (was wollen wir tun; wie gehen wir das Thema in den nächsten Jahren an ...). Durch den Workshop habe ich viel für mich gelernt, z. B. das "Heilsarmee-typische" wieder neu zu schätzen: direkte Hilfe zu leisten, wo Menschen in Not sind, aber gleichzeitig auch nach den Ursachen dafür zu fragen und wenn möglich, sie zu entfernen. Das hat mich aber auch dazu gebracht, mir einige Fragen zu stellen:

Wie gehen wir in der Heilsarmee in Deutschland mit diesem Thema um? Wie wichtig oder unwichtig ist es uns? Haben wir Kontakte zu betroffenen Menschen? Wie offen sind wir in unseren Korps für die Betroffenen? Wie geht es mir damit? Was ist meine eigene Haltung dazu? Bekomme ich mit, was in meinem Land läuft? Was bedeutet es für mich und meine Beziehung zu Gott, wenn sich die Gesellschaft, in der ich lebe, im Umgang mit Beziehungen verändert? Wenn mehr und mehr Grenzen verschwimmen, wenn die Nutzung von (Internet-)Pornographie immer mehr zunimmt – gerade auch bei Kindern und Jugendlichen, wenn damit auch der Bedarf an "Menschenmaterial" für die Sexindustrie steigt und gleichzeitig schnelles Geld zu machen ist, wenn in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen immer mehr die Trennung zwischen Sex und Liebe gelebt wird - von diesen Fragen habe ich auch während der Offiziersrüstzeit erzählt. Im Anschluss daran ergab sich ein Austausch von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es gibt in der Heilsarmee in Deutschland, Litauen und Polen bereits etliche, die sich für das Thema interessieren und auch engagieren.

Daraus entstand die Anregung, für das Jahr 2009 eine Möglichkeit anzubieten, um Zeit zu haben für Informationen und Austausch sowie um Ideen zu sammeln. Näheres wird dann ggfs. bekannt gegeben. Ich wäre dabei - Sie auch?

Kapitänin Anette Janowski

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