Heilsarmee-Archiv

Gesucht: Unser Erbe!

von / THQ

Wenn der Herr uns segnet, hat die Heilsarmee in Deutschland eine herrliche Zukunft vor sich. Aber wahr ist auch, dass wir eine wunderbare Vergangenheit haben: Siege und Niederlagen, verschrobene Helden und verborgene Heilige ... Nur wissen viele – auch unserer eigenen Leute – wenig davon!

Ich habe seit Jahren gesammelt, was ich an Büchern und Handzetteln, Gegenständen und Erinnerungen über die Heilsarmeevergangenheit in Deutschland gefunden habe. Jetzt ist nach dem Heimgang meines Mannes mein Hobby auch meine neue Bestallung geworden: Unter anderem soll ich mich um die Erhaltung unseres Erbes kümmern.

Vom NHQ in Köln habe ich bekommen, was dort lagerte: Bücher, alte Akten, Zeichnungen, aber auch Gegenstände. Eine Schnitzerei aus der Hand von Kommandeurlt. Stankuweit zum Beispiel, und die Urkunde zum Gründerorden von Frau Oberst Seils. Die große Seekiste, mit der der junge Johannes Clausen vor fast 80 Jahren nach Chile reiste, habe ich vor ein paar Jahren über eBay ersteigert, und andere Offiziere, die im Missionsdienst im Ausland waren, haben mir ein Erinnerungsstück überlassen. So fange ich nicht gleich bei Null an.

Und trotzdem bin ich überzeugt, dass es noch mehr Erinnerungen an unsere Vergangenheit gibt. Wenn Sie solche Gegenstände besitzen, freuen Sie sich darüber! Aber wenn sie unbeachtet im Keller oder Schrank lagern, wenn Sie ahnen, dass Ihre Kinder sie nach Ihrem Heimgang entsorgen werden, wenn Sie in eine kleinere Wohnung umziehen müssen: dann denken Sie bitte an das Archiv der Heilsarmee! Lassen Sie mir Ihre Sachen zukommen. Ich habe einen großen Raum im 2. Stock des ehemaligen Divisionshauptquartiers in St. Pauli zugewiesen bekommen. Ihre Schätze werden weder durch einen Dachstuhlbrand im Speicher noch durch Feuchtigkeit im Keller gefährdet, sondern behutsam behandelt und für die Nachwelt aufbewahrt.

Was suche ich? Grundsätzlich Sachen, die mit der Heilsarmee in Deutschland zu tun haben. Die Kriegsrufbände lagern in der Redaktion in Köln und Bücher habe ich auch viele. Heilsarmeeliederbücher habe ich (glaube ich) alle, die man jemals in Deutschland herausgegeben hat. Hier liegen alte Urkunden, Uniformen usw., aber auch Erinnerungsstücke. Als die Heilsarmee hier noch größer war, haben die Salutisten alles Mögliche an Memorabilien hergestellt. So habe ich vor Jahren einen Sofakissenbezug mit verschnörkeltem "H" "geerbt" (William Booth hätte uns wohl aus der Sofa-Ecke gescheucht!).

Manches wird nur interessant, wenn man die Geschichte dahinter kennt. So habe ich eine Zeichnung von einem Heilsarmeeoffizier aus der Tschechoslowakei. Sie zeigt den guten Hirten, und offensichtlich stammt sie von einem begabten Amateur. Aber für mich gewinnt sie ungeheuer an Wert, weil dieser alte Offizier uns Kadetten während des Prager Frühlings in Herne besuchte. Er erzählte, dass er wohl in Deutschland bleiben könne, freiwillig aber zurückgehe in die Tschechoslowakei – wo die Heilsarmee schon seit 20 Jahren verboten war – weil er seine kleine Herde an ehemaligen Heilssoldaten nicht alleinlassen wollte! Ein guter Hirte.

Was können Sie tun?

- Sich mit mir freuen, dass die Heilsarmee ernsthaft gewillt ist, Geld, Räume und Personal dafür einzubringen, dass unsere Vergangenheit aufbewahrt wird!

- In den verborgenen Ecken des Kellers oder Speichers kramen und nachschauen, was an Heilsarmeereliquien zu finden ist.

- Mir schicken, was Sie entbehren können und was ein größeres Publikum verdient. Oder was vielleicht für die Forschung interessant wäre. Anhand von alten Dispos z. B. (die Adressenverzeichnisse der Heilsarmee) kann man manches erkennen. So kann man sehen, ob die Heilsarmee den Saal nur gemietet hat oder Eigentümerin war. Fast überall, wo die Heilsarmee nur Mieter war, ist das Korps während des Dritten Reiches verschwunden und existiert seitdem nicht mehr.

- Diese neue Dienststelle nutzen! Planen Sie ein Jubiläum? Ich kann Ihnen vielleicht noch Interessantes aus der Heilsarmee in Ihrer Stadt berichten. Führen Sie etwas Nostalgisches auf? Ich habe über 20 Hallelujahüte und manche alten Uniformen, auch rote Jacken von der Stabsmusik der Zwanzigerjahre. Noch bin ich erst am Anfang, aber eine Nachfrage ist es doch wert! So habe ich gerade für einen Polen, der sich in Stettin bekehrt hat, einiges zusammengestellt über die Heilsarmee in der Stadt. Ein amerikanischer Historiker interessierte sich für den Einfluss des Englischen in Deutschland im 19. Jahrhundert. Jemand anderes wollte wissen, wo es in Westfalen vor dem Ersten Weltkrieg Freikirchen gegeben hatte: Ich konnte für die Heilsarmee die Antwort geben. Gerade heute kam vom NHQ in Norwegen eine Anfrage wegen Carl Treite und letzte Woche eine Anfrage vom Stadtarchiv Eberswalde. Und natürlich kommt zwischendurch: "Wissen Sie zufällig, was aus der und der geworden ist?" Manchmal kann ich helfen ... Und ich danke Ihnen für Ihre Hilfe!

Majorin Christine Schollmeier
Talstraße 15
20359 Hamburg
Tel.: 040 313405
Fax: 040 3172452
christine.schollmeier@heilsarmee.de

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