Gedanken zum neunten Glaubensartikel der Heilsarmee

von Alfred Preuß / Woran wir glauben

Der neunte Glaubensartikel:
„Wir glauben, dass eine bleibende Erfahrung des Heils vom beständigen, gehorsamen Glauben an Jesus Christus abhängt.“

Ich glaube an Jesus Christus.

Der Glaube an Jesus Christus ist die Grundvoraussetzung für das ewige Leben. An diesem Glauben wird sich am Ende unseres Lebens alles entscheiden. Für mich ragen zwei Wörter aus diesem Glaubensartikel heraus: Bleiben und Beständigkeit. Auf diese beiden Wörter werden wir noch eingehen.

Zunächst müssen wir festhalten, dass es beim Glauben nur um einen gehen kann: um Jesus Christus. Als nächstes müssen wir festhalten, dass dieser Glaube über unser irdisches Leben hinausgeht. In den vorhergehenden Beiträgen zu den Glaubensartikeln der Heilsarmee haben wir die Bedeutung von Gottes Wort, der Bibel, und das Wesen Gottes, der sich den Menschen als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart, betrachtet. Wir haben über Schöpfung, Sündenfall, Erlösung und Rechtfertigung durch den Glauben nachgedacht. Wir haben die Menschwerdung Gottes und das stellvertretende Opfer Jesu Christi für uns Menschen hervorgehoben. Nun wenden wir uns den Auswirkungen des Glaubens zu.

Der Glaube an Jesus Christus ist ja keine statische Angelegenheit, die einmal geregelt wird und dann auf Eis gelegt werden kann. Glaube an Jesus Christus ist eine Beziehungssache, die gepflegt werden muss. Wie in jeder anderen Beziehung kann es auch hierbei zu Störungen kommen, die den Glauben trüben. Dem Glauben müssen Taten folgen, die Auswirkungen des Glaubens müssen in unserem Leben sichtbar werden. Eine Auswirkung ist unser Gehorsam, wobei es immer um den Glaubensgehorsam geht. Wir sind unserem Gewissen verantwortlich, wobei zu bedenken ist, dass unser Gewissen in dem Maße, wie wir es zulassen, vom Heiligen Geist geschärft wird.

Ich gehorche Jesus Christus.

Es ist so eine Sache mit dem Gehorsam. Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Das heißt, ohne Kontrolle gibt es keinen Gehorsam. Das kennen wir aus vielen Bereichen des Lebens. Ob es bei den Kindern, in der Familie allgemein, im Beruf oder in der Gemeinde ist, wenn uns niemand sieht, machen wir oft, was wir wollen. Wenn uns schon der Gehorsam anderen Menschen gegenüber so schwerfällt, wie schwer fällt es uns dann Gott gegenüber, der doch für unsere Augen unsichtbar und für unsere Ohren unhörbar ist? Was kann unser Motiv für den „beständigen und gehorsamen Glauben an Jesus Christus“ sein? Ich denke, es ist die dankbare Erwiderung seiner Liebe, die er an uns erwiesen hat: „Wem viel vergeben ist, der liebt auch viel“,

Lukas 7,47. Die Liebe Gottes zieht unsere Liebe zu Gott nach sich. Am Gehorsam macht sich die Liebe fest. Sicher werden wir oft mit Paulus sprechen: „Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus“, Philipper 2,13 NL.

Wer gehorchen will, muss auch hören können. Der Glaube kommt ja aus dem Wort Gottes. Im Hören auf sein Wort, im Lesen der Bibel, in der Gemeinschaft mit anderen Glaubenden können wir Gottes Willen für unser Leben erkennen, können wir Gehorsam lernen. Jesus selbst gibt uns ein Beispiel: Er hat an dem, was er litt, Gehorsam gelernt (Hebräer 5,8). Er war gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz (Philipper 2,8). Er war ständig im Einklang mit dem Willen Gottes: „Ich und der Vater sind eins“, Johannes 10,30.

Ich bleibe bei Jesus Christus.

„Die bleibende Erfahrung des Heils“ – diese Aussage aus dem neunten Glaubensartikel zeigt mir, dass es etwas geben kann, wodurch man sein Heil in Jesus Christus verlieren kann. Das widerspricht zwar vielen Vorstellungen, die wir uns vom Glauben machen, hat aber seine tiefe Berechtigung. Es gibt theologische Strömungen, die von dem Grundsatz ausgehen „Einmal gerettet immer gerettet“. Dies wird mit einem Bibelvers aus

Johannes 10,27-29 begründet: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.“

Natürlich ist es ein Trost, dass Christen wissen, dass niemand sie aus Gottes Hand reißen kann. Es gibt aber die Möglichkeit, dass ein Christ durch fortwährenden Ungehorsam Gott gegenüber, seine Errettung aufs Spiel setzt, wenn er sich willentlich und ganz bewusst gegen Gott und seine Errettung stellt. Wobei unbedingt erwähnt werden muss, dass wir bis zu unserem Lebensende Raum zur Buße haben. Das sollte aber niemanden leichtsinnig machen. Jesus Christus selbst spricht in seinen Abschiedsreden davon, wenn er sagt: „Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden“, (vgl. Matthäus 24,10-13).

Es gibt die einmalige Entscheidung, Jesus Christus nachzufolgen, dann heißt es aber, dranzubleiben:

  • Dranbleiben an Jesus Christus.
  • Dranbleiben an seinem Wort.
  • Dranbleiben am Gebet.
  • Dranbleiben an der Gemeinschaft der Glaubenden.

Die Lehren der Heilsarmee

Major Alfred Preuß hat sich als Dozent und Redakteur intensiv mit den Glaubensartikeln der Heilsarmee befasst. Aus seiner Feder stammt die Broschüre „Wir glauben … Gedanken zu den 11 Glaubensartikeln“. Die ausführliche Darlegung der Glaubensartikel wurde unter seiner Redaktion im „Handbuch der Lehren“ veröffentlicht. Seine Ausführungen haben wir nun in dieser Online-Serie auch für Sie zugänglich gemacht.

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