Frauen nach Abtreibungen helfen

Die Gesellschaft sollte sich verstärkt um Frauen kümmern, die nach einer Abtreibung unter seelischen und körperlichen Probleme leiden.

von / THQ

Das hat der Rechtsmediziner und langjährige Vorsitzende der Ethik-Kommission der Bayerischen Landesärztekammer, Prof. em. Dr. Hans-Bernhard Wuermeling (Erlangen), angeregt.

Nach einer Abtreibung könne es zu Gefühlen von Hoffnungs- und Hilflosigkeit, Traurigkeit, vermindertem Selbstwert, Misstrauen, Reue, Beziehungsverlust sowie Selbstvorwürfen kommen. Diese Phänomene würden in der Fachpresse als Postabortion Syndrom (PAS) diskutiert. Darüber hinaus sei berichtet worden, dass diese Frauen unter Schuld- und Schamgefühlen litten. Beobachtet worden seien auch Zorn, Selbstmitleid, Einnehmen von Drogen, maßloses Essen oder Nahrungsverweigerung, Albträume, geschlechtliche Über- oder Unteraktivität sowie Selbsthass. Sogar zu Selbstmordgedanken könne es kommen.

Wuermeling weist darauf hin, dass es wissenschaftlich umstritten sei, ob diese Phänomene zusammen ein Krankheitsbild ergäben und deshalb mit den Krankenkassen abgerechnet werden könnten. Abtreibungsbefürworter bestritten, dass PAS wissenschaftlich nachweisbar sei, während Abtreibungsgegner davon überzeugt seien. Dazu schreibt Wuermeling: "Auch wenn bislang weder die Existenz noch die Nichtexistenz eines krankheitswertigen Phänomens PAS wissenschaftlich exakt bewiesen ist, bleibt zu fragen, wie man sich als Arzt, Berater oder Nächster gegenüber Frauen in Schwangerschaftskonflikten verhalten soll." Er weist darauf hin, dass die Beratung unmissverständlich klarstellen müsse, "dass es sich um die Tötung eines ungeborenen Menschen handelt, für die die Schwangere die moralische Verantwortung übernimmt, und dass das Übernehmen solcher Verantwortung seelisch verarbeitet werden muss, was nicht spurlos an einem Menschen vorübergeht."

Nach einem Schwangerschaftsabbruch bedürfe eine Frau, die unter PAS-ähnlichen Symptomen leidet, der mitmenschlichen Hilfe. Wuermeling verweist in dem Zusammenhang auf die Hilfsangebote des christlichen Vereins "Rahel", die dazu beitragen, den Tod des Kindes seelisch zu verarbeiten. Dort wird betroffenen Frauen etwa empfohlen, sich die Beerdigung des Kindes vorzustellen oder ihm einen Brief zu schreiben. Wichtiger als die Debatte darüber, ob die Leiden und Nöte der Frauen nach einer Abtreibung wirklich als Krankheit zu verstehen seien, so Wuermeling, sei es, dass ihnen Hilfe zuteil werde.

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