von Jeannette Wedekind Wohn- & Übernach­tungs­heim für Frau­en & Männer

Erster Geburtstag eines Hauses der Hoffnung

Liebe Alle,

heute stehen wir hier – ein Jahr nachdem diese Türen sich zum ersten Mal geöffnet haben. Ein Jahr voller Begegnungen. Ein Jahr voller Geschichten. Ein Jahr voller Hoffnung.

Als diese Einrichtung vor einem Jahr neu startete, war sie mehr als nur ein Gebäude. Sie war ein Versprechen.
Ein Versprechen, dass niemand allein gelassen wird.
Ein Versprechen, dass Gottes Liebe hier sichtbar werden soll.
Ein Versprechen, dass Würde und Mitmenschlichkeit stärker sind als Not und Verzweiflung.

Und heute dürfen wir sagen: Dieses Versprechen lebt.

Wir haben Menschen kommen sehen, die müde waren vom Leben.
Menschen, die schwere Lasten getragen haben.
Menschen, die vielleicht dachten, sie seien vergessen.

Doch hier haben sie etwas anderes erfahren:
Ein offenes Ohr.
Eine helfende Hand.
Ein warmes Wort.
Und manchmal – einfach einen sicheren Ort zum Durchatmen.

In der Bibel heißt es im Psalm 34,19:
„Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.“

Wie oft durften wir genau das erleben?
Dass Gott nahe war – in einem Gespräch.
In einer Umarmung.
In einer Tasse Kaffee.
In einem Lächeln, das sagte: „Du bist wertvoll.“

Diese Einrichtung ist kein Zufall.
Sie ist Frucht von Mut.
Von Gebet.
Von unermüdlichem Einsatz.
Von Menschen, die nicht weggesehen haben.

Ich möchte heute besonders den Mitarbeitenden danken und damit meine ich auch die mitarbeitenden Bewohner. Ihr seid das Herz dieses Hauses. Ihr investiert Zeit, Kraft und manchmal auch eure eigenen Sorgen – damit andere neue Hoffnung finden können. Das ist gelebter Glaube. Das ist Nächstenliebe in Aktion.

Jesus sagt im Matthäusevangelium:
„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Jede Mahlzeit, die hier ausgegeben wurde.
Jedes Gespräch, das Hoffnung geschenkt hat.
Jeder Moment der Geduld.
Das alles ist mehr als soziale Arbeit.
Es ist Dienst an Christus selbst.

Ein Jahr ist vergangen – und vielleicht war es nicht immer leicht.
Es gab Herausforderungen.
Es gab Grenzen.
Es gab Tage, an denen die Kraft knapp wurde.

Aber wir stehen noch hier.
Und wir stehen nicht aus eigener Stärke hier.
Wir stehen hier, weil Gott treu ist.

Diese Einrichtung ist ein Leuchtturm.
Mitten in Göttingen.
Ein Ort, der sagt:
Hier ist Raum für dich.
Hier bist du willkommen.
Hier beginnt vielleicht ein neuer Anfang.

Lasst uns heute nicht nur zurückblicken – sondern nach vorne schauen.
Es gibt noch so viele Menschen, die Hoffnung brauchen.
So viele Herzen, die Heilung suchen.
So viele Wege, die Begleitung brauchen.

Möge Gott dieses Haus weiterhin segnen.
Möge er jeden Menschen segnen, der hier ein- und ausgeht.
Möge er uns Mut schenken, weiterzumachen – auch wenn es schwer wird.
Und möge seine Liebe hier immer spürbar sein.

Denn am Ende ist es genau das, was zählt:
Dass Menschen hier Gott begegnen.
In Liebe.
In Annahme.
In echter, gelebter Barmherzigkeit.

Herzlichen Glückwunsch zum ersten Geburtstag in der neuen Einrichtung.
Und möge dies erst der Anfang sein.

Amen.

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