„Der Heimathafen hat mich komplett verändert"
David Hellwig spricht im Interview über sein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Heilsarmee in Hamburg.
Elf Jahre arbeitete er in der Gastronomie, später im Einzelhandel. Heute ist der 39-jährige Korpshelfer bei der Heilsarmee und hilft obdachlosen und bedürftigen Menschen. Den entscheidenden Anstoß gab ein Freiwilligendienst im Hamburger Heimathafen auf der Reeperbahn. Im Interview erzählt er, weshalb der Bundesfreiwilligendienst für ihn mehr als ein Übergang war – und wie daraus eine Berufung entstand.
Sie haben Ihren Bundesfreiwilligendienst bei der Heilsarmee gemacht. Wie sind Sie überhaupt zur Heilsarmee gekommen?
Ein Bekannter, der für sein Studium der Sozialen Arbeit ein Praktikum bei der Heilsarmee gemacht hatte, brachte mich auf die Idee. Ich war damals auf einer Bibelschule und suchte nach einer Möglichkeit, praktisch mit Menschen zu arbeiten. Über ihn entstand der Kontakt nach Hamburg.
Ihr beruflicher Weg war vorher ein ganz anderer...
Ja. Ich habe zunächst eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe gemacht und insgesamt elf Jahre in der Gastronomie gearbeitet – zeitweise sogar in leitender Funktion. Danach wechselte ich in den Einzelhandel.
Nachdem ich zum Glauben gefunden hatte, merkte ich immer wieder, dass Menschen mir Fragen über den Glauben stellten, auf die ich keine guten Antworten hatte. Ich habe mich daher entschlossen, auf eine Bibelschule zu gehen. Ich wollte lernen, anderen Menschen besser helfen zu können. Interessanterweise habe ich dort nicht nur theologisches Wissen mitgenommen. Viel wichtiger war für mich, den Umgang mit Menschen zu lernen. Das hat mich persönlich sehr geprägt.
Wie entstand der Wunsch, mit sozial benachteiligten Menschen zu arbeiten?
Seit meiner Bekehrung sind mir obdachlose und bedürftige Menschen immer mehr ans Herz gewachsen. Auf der Bibelschule hat mich dieses Thema nicht mehr losgelassen. Für mich wurde klar: Wenn ich missionarisch arbeiten möchte, dann genau dort – bei Menschen, die oft vergessen werden.
So führte Ihr Weg schließlich zur Hamburger Mission der Heilsarmee. Was waren dort Ihre Aufgaben?
Ich war in der Kleiderkammer, habe in der Küche geholfen, Essen ausgegeben und war bei Straßeneinsätzen dabei. Dort haben wir Kaffee und Tee verteilt, mit Menschen gesprochen und auf Wunsch auch mit ihnen gebetet. Es war ein sehr abwechslungsreicher Alltag.
Wie sah ein typischer Arbeitstag aus?
Der Tag begann mit einer Andacht und der Einteilung der Aufgaben. Danach bereitete jeder seinen Bereich vor. Sobald geöffnet wurde, war man entweder im Café, an der Essensausgabe, in der Kleiderkammer oder auf der Straße unterwegs. Zum Abschluss gab es wieder eine Andacht – auch für die Gäste. Einmal pro Woche durfte ich selbst den Abendsegen gestalten.
Was hat Sie in dieser Zeit besonders bewegt?
Vor allem die Beziehungen zu den Menschen. Viele Gäste kamen regelmäßig. Mit der Zeit entstand Vertrauen. Mich hat beeindruckt, wie sehr sich manche Gäste sogar für die Mitarbeitenden eingesetzt haben. Menschen, denen oft Misstrauen entgegengebracht wird, haben selbst eine unglaubliche Loyalität gezeigt.
Gab es etwas, das Sie überrascht hat?
Ja. Ich habe gelernt, dass man mit viel mehr Menschen über den Glauben sprechen kann, als man denkt. Oft hat man Angst, jemanden zu stören oder abgewiesen zu werden. Meine Erfahrung war aber eine ganz andere: Viele Menschen sind offen für Gespräche, wenn man ihnen ehrlich und respektvoll begegnet.
Was hat Ihnen an der Arbeit am meisten Freude gemacht?
Der direkte Kontakt mit den Gästen. Ob in der Kleiderkammer, beim Buffet oder auf der Straße – die Begegnungen mit den Menschen waren das Schönste. Ich habe gemerkt, dass diese Gespräche nicht nur den Gästen geholfen haben, sondern auch mir selbst.
Sie kommen ursprünglich aus der Gastronomie. Hat Ihnen das dabei geholfen?
Auf eine ganz andere Weise, als ich gedacht hätte. In der Gastronomie musste ich oft freundlich sein, auch wenn ich innerlich gestresst war. Bei der Heilsarmee war die Freude echt. Ich musste nichts vorspielen. Das hat für mich einen großen Unterschied gemacht.
Nach Ihrem Bundesfreiwilligendienst sind Sie bei der Heilsarmee geblieben. Warum?
Mir wurde klar, dass ich nicht einfach in meinen alten Beruf zurückkehren wollte. Viele Tätigkeiten passten für mich nicht mehr zu dem, was mir wichtig geworden war. Gleichzeitig entstand die Möglichkeit, als Korpshelfer einzusteigen. Ich habe das als nächsten Schritt gesehen, um weiter herauszufinden, wohin Gott mich führen und mit mir gemeinsam arbeiten möchte.
Was würden Sie jungen Menschen sagen, die über ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst bei der Heilsarmee nachdenken?
Ein Freiwilligendienst verändert nicht nur die Menschen, denen man begegnet – er verändert auch einen selbst. Ich habe in dieser Zeit gelernt, Menschen mit anderen Augen zu sehen und Verantwortung zu übernehmen. Für mich war der Bundesfreiwilligendienst der Beginn eines völlig neuen Lebenswegs