„Unsere Art Gottesdienst zu feiern“

von / Die Heilsarmee in Deutschland

Hier empfangen Bedürftige und Obdachlose warme Getränke und Speisen.
Viele Bedürftige reihen sich vor dem Einsatzwagen des Korps Stuttgart auf.

In Bad Cannstatt in Stuttgart fährt ein roter Einsatzwagen vor. In großen Lettern ist „Vorfahrt für Gottes Liebe“ auf allen Seiten des Wagens zu lesen. Nachdem er unter einer, mit Graffiti besprühten Unterführung hält, steigen ehrenamtliche Helfer der Heilsarmee aus und klappen die Seitenwände des Laderaums nach oben. Drinnen offenbart sich ein sorgfältig gestapelter Turm aus allen möglichen Waren, die in langer Vorbereitungszeit gepackt wurden. Immer mehr Kisten werden durch die fleißigen Mitarbeiter auf zwei großen Klapptischen gestapelt. Darin befinden sich warme Getränke, warme Mahlzeiten, Lebensmittel, Decken Schlafsäcke, Spielsachen für Kinder und Hygieneartikel.

Vor dem Einsatzwagen der Heilsarmee stellt sich eine lange Schlange von Menschen entlang des Corona-Absperrbands auf. Sie sind der Grund, warum die Kapitäne Birgit und Markus Piechot und ihr Team fast jeden Tag unterwegs sind. „Die Leute hier, das ist meine Gemeinde. Und unsere Arbeit bei der Kältehilfe, das ist unsere Art Gottesdienst zu feiern!“, erklärt Markus Piechot. An manchen Tagen besuchen über 150 Personen die Kältehilfe.

Im Einsatz gegen Kälte und Armut

Dankbar nimmt dieser Besucher die Lebensmittel entgegen.
Durch die Corona-Situation sind viele Bedürftige auf die Hilfe der Heilsarmee angewiesen.

Seit September 2020 ist das Korps Stuttgart im Besitz des neuen Einsatzwagens und seitdem hat sich die Anzahl der freiwilligen Helfer von einer Handvoll zu 30 motivierten Menschen entwickelt. Es sind die unterschiedlichsten Personen, die sich zusammenfinden, um anderen Menschen zu helfen. Und ihre Hilfe wird dringend gebraucht. Durch die Corona Situation können sich Obdachlose an keinem Ort mehr so richtig aufwärmen. Daher möchte die Heilsarmee in Stuttgart, zusammen mit anderen Hilfsorganisationen, möglichst viele Gelegenheiten der Hilfe schaffen und soziale Kontakte mit den Besuchern stärken.  „Damit die Menschen merken, wir sind nicht vergessen“, so Markus Piechot.

Er und seine Frau Birgit begleiten seit 30 Jahren Obdachlose in verschiedenen Städten und kennen sich mit den alltäglichen Schwierigkeiten aus, die die Arbeit mit sich bringt. Gerangel zwischen den Bedürftigen ist keine Herausforderung mehr, daran sind sie gewöhnt. Die Auflagen und Einsätze unter Pandemiebedingungen allerdings sind eine ganz andere Sache. Glücklicherweise sind die Menschen, die sich in die Schlange vor den Einsatzwagen stellen sehr diszipliniert, halten Abstände und machen sich gegebenenfalls untereinander darauf aufmerksam.

Markus Piechot erklärt zwar: „Wir sind keine Profis, wir sind Pastoren.“, dennoch sind sie auf viele Eventualitäten vorbereitet. So konnten sie einen Hund mit einem frischen Verband verarzten, da sein alter bereits verschmutzt und kaputt war. Die Arbeit der Kältehilfe ist anstrengend, doch gerade solche Situationen motivieren Markus Piechot und sein Team. Er bringt es mit dem Satz auf den Punkt: „Ich liebe es, Menschen glücklich zu machen, das motiviert mich.“

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