Berlin: Heilsarmee-Einsatz nach Anschlag auf Weihnachtsmarkt

von / THQ

Ein Blick aus dem Einsatzwagen auf die Medienvertreter

Am Abend des 19. Dezember letzten Jahres fuhr ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und riss 12 Menschen in den Tod, viele weitere wurden verletzt. „Nur unsere Liebe wird Angst und Hass besiegen“, schrieb die Leiterin der Heilsarmee in Deutschland, Litauen und Polen, Kommandeurin Marie Willermark, noch am Abend in einer ersten Stellungnahme. „Ich denke, uns verletzt besonders, dass dieser Vorfall sich auf einem Weihnachtsmarkt ereignet hat. Eigentlich einem Ort der Freude, wo Menschen jeden Alters und aus vielen Ländern zusammenkommen.“ Es sei wichtig, einander daran zu erinnern, „dass wir alle eine wichtige Rolle spielen. Wir dürfen auf dieses Ereignis nicht mit Hass oder Argwohn reagieren. Stattdessen müssen wir umso mehr entschlossen sein, unserer Berufung zu folgen und Gemeinschaften zu bilden, in denen die Liebe und Wiederherstellung Gottes sichtbar wird.“

Direkt nach Bekanntwerden haben sich die Leiter des Korps Berlin-Südwest mit ihrem Einsatzwagen auf den Weg zum Anschlagsort gemacht, um zu helfen. Hier der Bericht von Kapitän Matthias Lindner zu den Ereignissen des Abends:

„Gegen 22 Uhr trafen wir mit Tee und Kaffee am gesperrten Kurfürstendamm bzw. dem Bereich um den Breitscheidplatz ein. Wir bekamen ohne Probleme Zugang zum gesperrten Bereich. Polizisten wiesen uns an, zu warten, bis sie alles mit der Einsatzleitung geklärt hatten. Leider wurden diese Polizisten dann abberufen, bevor sie uns weitere Informationen geben konnten. Als wir bei den als Ablösung eingetroffenen Kollegen nachhakten, bekamen wir die Anweisung, praktisch direkt zu den Rettungskräften am Breitscheidplatz zu fahren. Als wir jedoch die 100 Meter gefahren waren und bereits das Absperrband, das die Stelle markierte, durchfahren hatten, wurden wir von einem Polizisten darauf hingewiesen, dass dieser Platz gerade zu einem Tatort erklärt worden sei und deshalb ab sofort keine Durchfahrt mehr möglich sei.

Auch andere Einsatzkräfte wie Feuerwehr usw. kämen nicht mehr hindurch. Nun wurden wir zu dem Hotel verwiesen, das die Anlaufstelle für Angehörige war, um uns dort zu kümmern, was wir gern tun wollten. Nach mehreren Versuchen, über verschiedene Einfahrten an das Hotel zu gelangen, wurde uns zuletzt gesagt, dass unterdessen eine ausreichende Versorgung der Einsatzkräfte und Angehörigen aufgebaut worden sei. Wir fuhren daraufhin gegen 0.30 Uhr zum Korps zurück, nachdem wir zumindest einem Sicherheitsmann Tee gegeben und einem Polizisten mit Werkzeug ausgeholfen hatten. Neben kurzen Gesprächen mit Passanten hielten wir noch bei zwei Obdachlosen an, um wenigstens hier unsere Hilfe anzubieten.

Unser Fazit: Wir nehmen jetzt die Nacharbeit auf, um im Fall einer erneuten Krisensituation bei den organisierenden Stellen als verfügbar registriert zu sein und damit noch besser reagieren zu können. Beeindruckt sind wir von der spontanen Hilfsbereitschaft der Menschen aus unserer Gemeinde, die sofort zur Vorbereitung des Einsatzes zur Stelle waren und alles sowohl praktisch als auch im Gebet unterstützt haben.

Am nächsten Morgen waren wir früh noch einmal vor Ort und boten Einsatzkräften und Pressevertretern Heißgetränke an. Per Funk wurde unser Standort der Polizei durchgegeben, somit konnten wir die Besatzungen einiger Streifenwagen versorgen, die unseren Standort direkt anfuhren. Die Vertreter der Presse nahmen unsere Heißgetränke ebenfalls gerne an. Einige kamen zitternd und frierend, manche hatten seit 20 Uhr am Montagabend bis 13 Uhr am Dienstag ununterbrochen gearbeitet, andere hatten immerhin zwei Stunden schlafen können. Polizisten erzählten mit Tränen in den Augen von dem Anblick des Lastwagens. Es hat alle sichtlich mitgenommen, aber keiner lässt sich unterkriegen.“

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