von Claudia Klingbeil Korps Wuppertal

19. Dezember

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit." (Johannes 1,14)

Eine der besten Zusammenfassungen des Weihnachtsgeschehens finden wir in Johannes 1,14. Johannes notiert: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Gott wird Mensch. Ich merke beim Lesen dieses Satzes, dass es schon so selbstverständlich für mich geworden ist. Aber genau das war und ist es ja nicht. Die Zeitgenossen des Johannes kannten solche Geschichten. Da wurde in vielen Variationen erzählt: Götter kamen in Menschengestalt, aber unerkannt auf die Erde. Wer sie gut behandelte, wurde belohnt. Wer ihnen eine Abfuhr erteilte, hatte meistens das Nachsehen. Die Geschichten wurden möglicherweise mit einem Augenzwinkern erzählt. Dahinter stand die erzieherische Absicht: Leute, behandelt Fremde vernünftig, als Menschen. Es könnte ja ein Gott, ein Engel sein.
Aber zu Weihnachten geht es nicht um solche Geschichten. Gott wird Mensch in Jesus. Er kommt aber nicht, um die Menschen zu testen. Er kommt auf gar keinen Fall nur mal kurz zu einer Stippvisite vorbei. Er ist kein Gott, der dann mal schnell wieder weg ist. Nein, er wurde Mensch und wohnte unter uns, nahm Wohnung unter uns.
Das hat mit Dauer zu tun. Wer sich eine Wohnung mietet oder kauft, zeigt damit im Normalfall: Ich gehöre jetzt hier her. Ich teile euer Leben mit euch. Ich gehöre jetzt mit in eure Gemeinschaft. Es werden für mich keine Extrawürste gebraten. Euer Leid ist auch mein Leid. Wenn ihr euch freut, freue ich mich mit euch. Damit fällt die Weihnachtsgeschichte schon aus dem Rahmen. Dass Gott Mensch wird, war für die Leser und Hörer des Johannes-Evangeliums nicht selbstverständlich. Und für uns ist es das auch nicht.

Wenn Gott in Jesus Tür an Tür neben mir wohnt, wenn er durch Jesus eine konkrete Adresse, einen Anlaufpunkt hat, dann ist und bleibt das ungewöhnlich. Denn dann ist Gott eben keine Lichtjahre mehr entfernt. Dann ist er uns nahe, ganz nahe. Dann kriegt er das Leid mit und den Ärger und den Streit, überhaupt alles, was uns so beschäftigt. Dann bekommt er mit, wie wir feiern und wie letztlich auch manche Feier durchzogen ist von dunklen Fäden. Das kann uns nervös machen, denn wer lässt sich schon gern in die Karten schauen.
Diese Nähe kann uns aber auch trösten, ermutigen. Es ist gut, Menschen in der Nähe zu haben, gerade an Tagen wie heute. Noch besser aber ist: Gott ist durch Jesus dein Nachbar geworden. Ich lade dich ein doch noch heute das Gespräch mit ihm zu suchen. Jesus sehnt sich nach dieser Gemeinschaft mit uns und er freut sich, wenn wir zu ihm kommen. Er ist dir ganz nahe und wartet darauf, dass du ihn einlässt.

Claudia Klingbeil

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