130 Jahre Korps Düsseldorf

von / THQ

Wir schreiben das Jahr 1890. Zwei Jahre zuvor, im Dreikaiserjahr, bestieg Kaiser Wilhelm II. den Thron. Sein Reichskanzler Otto von Bismarck, führte die Sozialgesetzgebung ein. Dazu sagte er:

„Mein Gedanke war, die arbeitenden Klassen zu gewinnen, oder soll ich sagen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte“.

Dass es um die soziale Gerechtigkeit schlecht bestellt war, hatte William Booth (erster General und Gründer der Heilsarmee) schon Jahre zuvor erkannt. In seinem Buch „Im dunkelsten England und der Weg heraus“, das 1890 erschien, zeigte er die Nöte der Menschen auf und skizzierte Maßnahmen, die ihm als Wege aus der Misere der Bevölkerung erschienen.

Die Heilsarmee erreicht Düsseldorf

Die 1865 in London gegründete Heilsarmee hatte sich in vielen Ländern ausgebreitet. Rasch fasste sie auch in Deutschland Fuß. Im Jahr 1886 wurde die erste Missionsstation der Heilsarmee in Stuttgart eröffnet und bereits im Juni 1890 kam es zur Eröffnung des Korps Düsseldorf, unter der Leitung von Kapitän Wieland. Der erste Düsseldorfer Standort befand sich in der Herzogenstraße 93.

Versammlungen und Auftritte unter freiem Himmel erregten großen Widerstand in der Bevölkerung und nicht selten kam es zu Störungen. Sogar Fensterscheiben wurden zerschlagen. Die ersten Heilssoldaten ließen sich nicht einschüchtern und besuchten die Menschen zu Hause. So kamen viele zu den Versammlungen und bekehrten sich. Das Korps wuchs und der Saal war bis auf den letzten Platz belegt.

Eine Zeit lang befand sich das Düsseldorfer Korps an der Worringer Straße. Erst 1920 gab es ein eigenes Gebäude in der Roßstraße. Dieses wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Lange Zeit diente eine sogenannte „Schwedenbaracke“ für die geistlichen und sozialen Aktivitäten als Notunterkunft. Erst 1962 konnte das Haus an der Roßstraße wieder neu gebaut werden. An diesem Standort befindet sich bis heute das Domizil der Heilsarmee in Düsseldorf.

„Die Kirche besteht nicht aus den Steinen, sondern aus den Menschen“

Neben allen geschichtlichen Fakten dürfen wir die Offiziere und Kameraden des Korps Düsseldorf nicht vergessen. Jemand hat einmal gesagt: „Die Kirche besteht nicht aus den Steinen, sondern aus den Menschen“. Menschen, die aus der Gnade und Liebe Gottes leben. Menschen, die Gottes Wort zur Richtschnur ihres Lebens gemacht haben. Die die Liebe Gottes an andere weitergeben wollen und die viel Zeit und Phantasie einsetzen, um den Missständen, die das Leben mit sich bringt, zu trotzen und der menschlichen Not etwas entgegensetzen wollen.

Die heutigen Zeiten sind nicht mit den wechselvollen Jahren seit 1890 zu vergleichen. Und doch stehen auch wir heute vor Herausforderungen, die zum Beispiel die Corona-Pandemie mit sich bringt.

Ob zu Kaisers Zeiten, dem Ersten Weltkrieg, der Weltwirtschaftskrise, dem Zweiten Weltkrieg, den Aufbaujahren oder den Wirtschaftswunder-Jahren oder welcher Epoche auch immer:

Die Zeiten ändern sich, der Auftrag bleibt:

„Gott und den Menschen dienen.“ Das Korps Düsseldorf hat sich diesem Auftrag in den vergangenen Jahren gestellt und wird es auch in der kommenden Zeit tun.

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