06. April
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden!“ (Lukas 24,5-6)
Im ersten Moment klingt diese Frage aus dem Zusammenhang gerissen etwas irritierend. Daher brauchen wir ein bisschen Vorkenntnisse, die im Lukas-Evangelium unmittelbar vor diesen Versen stehen.
Jesus ist am Kreuz gestorben. Daran gab es keine Zweifel. Um sicherzugehen, wurde extra nochmal in seine Seite gestochen. Nachdem dort aber Wasser statt Blut floss, war klar, dass er schon tot sein musste. Nach seinem Tod wurde Jesus vom Kreuz abgenommen, in Leintücher eingewickelt und in ein Grab gelegt. Das ist ein eindeutiges Ende des Lebens. Oder etwa nicht?
Das Grab wurde sogar noch bewacht. Als ob sich da noch etwas tun hätte sollen. Und nach weiteren 3 Tagen wurde es ja erfahrungsgemäß nicht besser. Nachdem es damals aber üblich war, den Leichnam noch nach dem Tod einzubalsamieren, haben sich ein paar Frauen auf den Weg zum Grab gemacht. Sie wollten Jesus „die letzte Ehre“ erweisen, nachdem er schon so grausam gestorben war. Und wie sie dann ans Grab kamen, standen da 2 Männer, weiß leuchtend und sagten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Die Frauen waren doch dabei, als Jesus gestorben war. Die Frauen haben doch gesehen, wie Jesus ins Grab gelegt wurde. Die Frauen haben doch gesehen, dass er wirklich tot war. Und nun wird ihnen vorgeworfen, dass sie den Lebenden bei den Toten suchen würden…
Ich muss zugeben: Der Zusammenhang ist nicht weniger verwirrend. In dem Fall wären wir doch auch zum Grab gegangen, oder?
Doch die Aussage der beiden weiß gekleideten Männer geht weiter: „Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden!“ Die Frauen waren irritiert. Und ich glaub, das wären wir auch. Im ersten Moment konnten sie es nicht fassen.
Und die Männer in weiß erklären sinngemäß weiter: „Denkt doch mal nach: Jesus hat das angekündigt. Er muss sterben, aber am dritten Tage wird er auferstehen.“ Die Frauen dachten nach. Stimmt. Jesus hat so oft gesagt, dass er sterben und auferstehen würde. Aber konnte das wirklich wahr sein?
Jetzt schauten sie genauer hin. Die Gewänder der beiden Männer leuchteten auch so weiß. Das müssen Engel sein. Und wenn es wirklich Engel sind, die da mit ihnen reden, dann kann es doch wahr sein! Sie schauten ins Grab, und es war tatsächlich leer. Jesus ist nicht hier bei den Toten. Er ist auferstanden und lebt.
Ich kann die erste Verwirrung der Frauen sehr gut nachvollziehen. Ich kann verstehen, wenn man den Kopf schüttelt und denkt: Das kann doch nicht wahr sein.
Doch diese Verwirrung hat bei den Frauen nicht das letzte Wort. Die Frauen nehmen wahr, was da Außergewöhnliches passiert ist. Die Frauen schwenken um in eine tiefe Freude, weil sie aus der Hoffnungslosigkeit des Todes herauskommen zu einer Hoffnung und zur Freude über das Leben.
Sie freuen sich so sehr, dass sie das anderen weitererzählen. Egal, wie verrückt es klingt.
Stehen wir noch ungläubig da und versuchen zu erklären, wie das sein kann?
Haben wir schon die Hoffnung und die Freude in uns?
Sind wir, wie die Frauen, dann auch bereit diese Freude weiterzuerzählen? Egal, wie verrückt es für manche klingt?
Freudige Grüße
Simona Döttling